Monate: Juni 2018

Bauernhof Landwirtschaft Trecker

Arndt: „Raps ist eine politische Pflanze“

Als ich Arndt in Gittelde am niedersächsischen Harzrand besuche, ist das einer der Tage, die in diesem Sommer bislang so selten waren. Milchig ist das Licht, und die Sonne bleibt hinter den Wolken verschwunden. Dabei wird es darunter so schwül, dass die Blinden Fliegen mit Freuden zustechen. Arndt ist Landwirt und gehört damit, so seltsam es sich anhören mag, einer aussterbenden Gattung an. Schaute früher „aus jeder Haustür eine Kuh heraus“, wie Arndt mir erzählt, gibt es heute im Dorf nur noch drei Familien, die ausschließlich von der Landwirtschaft leben. Obwohl sich die Menschen immer mehr dafür interessieren, was sie essen und wie die Umwelt beschaffen ist, wissen immer weniger, was ein Landwirt eigentlich macht. Zeit für ein Interview. M: Arndt, wie steht der Weizen? A: So mittelprächtig, würde ich sagen. Es hat lange nicht geregnet hier oben, das gefällt dem Getreide natürlich nicht. Der Mais macht dafür gute Forschritte, man muss sich wundern. Aber den haben wir auch relativ spät gesät. Mais braucht viel Wärme, und die haben wir in diesem Jahr. M: Was …

Weingut Bastian Hamburg Klingenberger Schlossberg

Britta: „Ich nehme nie den Korb zum Einkaufen im Supermarkt“

Als ich in Klingenberg am Main angekommen bin, denke ich mir: erstmal hoch in den Weinberg, Fotos machen. Später kommt vielleicht wieder ein Gewitter. Die Parzellen von Britta und Basti (yes, another Basti) vom Weingut Bastian Hamdorf liegen ganz hinten am Berg – und ganz oben. Ich kraxele die steilen und ausgetretenen Stufen hoch, mache ein paar Fotos hier, ein paar Fotos da – und bin schon völlig schweißgebadet. Ob Basti sich manchmal nach einem bequemen Bürostuhl sehnt, wenn er zum zehnten Mal hier hochgeklettert ist? Und was hat die beiden aus dem hohen Norden eigentlich hierher verschlagen, in den letzten Zipfel Bayerns? M: Was hat euch eigentlich hierher verschlagen, in den letzten Zipfel Bayerns? BR & BA (lachen): Das ist eine längere Geschichte… M: Ihr seid offenbar schon ziemlich viel herumgekommen. Britta, du kommst aus Hamburg, hast du mir erzählt. BR: Ja, ich bin in Eimsbüttel aufgewachsen, direkt neben dem Schanzenviertel, also mitten in Hamburg. BA: Und ich auf der Insel Föhr. M: Ah, die weltberühmten Weinberge von Föhr! (alle lachen) Wo habt ihr …

1960er Dorf

Hermann: „1968 auf dem Dorf, das war ein richtiger Bruch“

Wer über Neues auf dem Dorf berichtet, für den ist es durchaus erhellend zu erfahren, wie es denn früher war. 1968 ist ja nicht nur eine Jahreszahl wie jede andere, jetzt genau 50 Jahre her, sondern die mit diesem Jahr verbundenen sozialen Umwälzungen in der Gesellschaft sind derzeit Thema in vielen Medien. Aber gab es so etwas tatsächlich auch auf dem Dorf? Und wie muss man sich das Dorfleben der 1960er für junge Leute überhaupt vorstellen? Hermann hat damals in einem solchen kleinen Dorf in Niedersachsen gelebt. Er hat sich lange Haare und einen Bart wachsen lassen – und ist dann sehr jung schon in die Stadt gezogen. Das hat mich interessiert, und deshalb habe ich ihn besucht. M: Wie alt warst du, als du aus dem Dorf weggegangen bist? H: 15. Ich bin mit 15 zur Ausbildung weggegangen. Das war wirklich sehr früh, zu früh möchte ich aus heutiger Sicht sagen. M: Wie ist das passiert? H: Das war damals die Zeit des Kurzschuljahrs, das heißt, ich hatte mit 15 schon die Mittlere Reife …