Monate: Mai 2018

Bundestreffen Regionalbewegung 2018

Beim Bundestreffen der Regionalbewegung

Wo warst du? Bei wem? Das sind meist die Reaktionen, wenn ich in meinem Freundeskreis die Überschrift dieses Beitrags vorlese, um zu erklären, was ich vom 3. bis 5. Mai in Frankfurt gemacht habe. Ehrlich gesagt ging es mir vor gar nicht so langer Zeit ähnlich, denn die Regionalbewegung und was sie macht, habe ich erst Ende Januar kennengelernt, als ich mich mit Vorstandsmitglied Hermann Kerler bei der Grünen Woche unterhalten habe. Die dahinter stehende Idee hat mich dann so überzeugt, dass ich beschlossen habe, auch zum Bundestreffen zu fahren. Um zu sehen, wer denn da alles mitmacht und was diese Menschen zu sagen haben. Wer die Website der Regionalbewegung aufruft, dem wird schnell klar, dass man es hier nicht mit einem latent spinnerten Verein zu tun hat, dessen Mitglieder die neue Schnelligkeit der Welt nicht verstehen und die deshalb lieber in ihrem Schneckenhaus bleiben. Denn während es eine ganze Reihe von Initiativen gibt, die ausschließlich zusammenkommen, um explizit gegen etwas zu sein, bietet die Regionalbewegung Menschen wie mir den Vorteil, auch für eine Sache …

Basti Horn Hutzelhof Demeter

Basti: „Neuanfänge tun immer gut“

Hutzelhof. Das ist so ein Wort, bei dem man ahnt: keine Adresse in New York City. Als ich mit Basti am Telefon einen Termin vereinbarte, hatte ich ihn gefragt, wie ich ihn und den Hutzelhof finden würde. „Das ist am Ende des Dorfes. Es gibt nur eine Straße. Und dann frag einfach irgendwen, hier kennen mich alle.“ Gibt es einen besseren Einstieg, einen besseren ersten Interviewtermin als diesen hier, wenn man auf der Suche nach Menschen ist, die neu auf dem Land sind? Richtig geraten, gibt es nicht. Ich war also sehr gespannt. Der Hutzelhof ist nicht wirklich your ordinary Bauernhof, wie man ihn in der tiefsten bayerischen Provinz erwarten würde. Er ist noch nicht einmal besonders alt. Im Jahr 1995, auf dem Höhepunkt des Höfesterbens, beschloss die Familie Kugler, genau den umgekehrten Weg zu gehen und einen Hof neu zu gründen. Der Name „Hutzelhof“ wurde dabei von der Hutzelbirne entnommen, dieser kleinen und, nun ja, hutzeligen Dörrfrucht, mit deren Hilfe man sich früher über den zuckerarmen Winter brachte. Heute hat der Hutzelhof knapp 12 …

Fahrräder in Göttingen

Claudia: „Das Dorf ist immer noch ein Ort für Jungs“

Göttingen hat einen Slogan. Er lautet: „Die Stadt, die Wissen schafft“. Das finde ich für meinen eigenen Besuch hier sehr passend. Ich bin nämlich auch nach Göttingen gekommen, um mir Wissen zu verschaffen. Dabei helfen kann und wird mir Prof. Dr. Claudia Neu. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für die Soziologie ländlicher Räume und hat sich seit Jahren auf wissenschaftliche Weise mit allen Facetten des Lebens auf dem Land beschäftigt. Als ich mit dem Pendlerzug in Göttingen ankomme, fällt mir allerdings gleich der Unterschied zu dem Bahnhof auf, an dem ich eingestiegen bin: Dort war der Parkplatz voll mit Autos. Hier scheint es mir so, als wären auch ein paar Leute mit dem Fahrrad unterwegs… M: Ich bin ja hier nach Göttingen gekommen, um ein bisschen schlauer zu werden. Ich werde dir also eine Menge ganz unterschiedlicher Fragen stellen, die mich interessieren. Also gleich einmal zu Anfang: Wie tolerant sind eigentlich Dorfgemeinschaften gegenüber Leuten, die andere Vorstellungen haben? C: Das ist pauschal schwer zu beantworten. Ich glaube aber, da hat sich in den vergangenen 50 …

Distelfalter

Natur #1 – der Distelfalter

Die Legende geht so: Ich bin ein März-Kind, und sobald sich draußen die ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs zeigten, hat sich meine Mutter eine Decke geschnappt, sie in den Garten gelegt und mich darauf. Ich habe also ein bisschen in die Sonne geblinzelt und relativ früh damit angefangen, Gänseblümchen zu essen. „Gagabu“ habe ich die angeblich genannt. Auf diese Weise hätte ich mich dank frühkindlicher Prägung, so die Legende, zu einem Kind entwickelt, das zwar nicht so furchtbar gern mit den anderen gespielt hat, dafür aber umso lieber in der Natur unterwegs war. Das mit den Gänseblümchen habe ich zwar irgendwann aufgegeben, die allgemeine Naturbegeisterung aber nicht. Wenn ich eine schwierige Prüfung hatte, bin ich vorher eine Stunde lang spazierengegangen, um Konzentration und geistige Frische aufzutanken. Habe ich nach einer Idee für ein neues Projekt gesucht, ebenso. Und natürlich auch komplett zweckungebunden, also einfach schauen, was so des Weges daherkommt. Diesmal ist ein Distelfalter des Weges dahergekommen – oder vielmehr, er war zuerst da. Als ich einmal an der Loire war, habe ich dort gelesen, dass …