Alle Artikel mit dem Schlagwort: Niedersachsen

Garnstories Anke Mönning Samy

Anke: „Mit Wolle Geld verdienen“

Es gibt Kombinationen, die sich so unwahrscheinlich anhören, dass man als interessierter Reporter sofort darauf anspringt. Über eine gemeinsame Freundin in Hamburg hatte ich von Anke Mönning erfahren. Sie hatte viele Jahre in Hamburg verbracht und in Redaktionen gearbeitet. Seit kurzem lebt sie allerdings in Hoheneggelsen, einem Dorf im Landkreis Hildesheim. Dort präpariert und färbt sie Rohwolle und verkauft diese Wolle über den Online-Shop „Garnstories“ . Anders als man denken könnte, ist das allerdings kein kleiner Selbstverwirklichungs-Kruschtel-Laden. Anke ist mit dem Shop nämlich innerhalb weniger Monate voll durchgestartet, hat zwei Angestellte (plus einen sehr netten Hund) und versendet in die ganze Welt. Besuch bei einer Unternehmerin. At home bei Woll-Anke M: Also was ich besonders interessant finde bei deinem Werdegang, das sind zwei Aspekte. Der eine ist deine Geschäftsidee oder vielmehr, welche Faktoren du für den Erfolg der Idee für entscheidend hältst. Und der zweite ist dein Umzug aufs Land, und wie es dir hier ergeht. A: Sehr gut. Fangen wir mit dem Geschäft an. M: Wie bist du eigentlich darauf gekommen, etwas mit Wolle …

Rotkehlchen

Vogelgesang zu Sonnenaufgang

Es gibt ja Meditations-CDs, auf denen Vogelgesang zu hören ist. Meist wird so etwas im Studio aus einzelnen Stimmen zusammenkomponiert. Sowas kann ich auch, dachte ich mir, und zwar gänzlich ohne Komposition. Als ich meine Eltern in Bilderlahe am Heber besuchte und per Zufall kurz nach drei Uhr nachts wach wurde (was mir sonst nie passiert), war mir klar, die Gunst der Stunde muss ich nutzen. Also habe ich mich schnell angezogen und bin zum Waldrand geeilt – mit dem Diktiergerät in der Hand. Unten am sogenannten „Waldparkplatz“ war es noch sehr dunkel. Selbstverständlich habe ich keinen Menschen getroffen, aber dafür rauschte der Bach ziemlich kräftig. Hier könnt ihr also nun 40 Minuten lang Vogelgesang zum Sonnenaufgang hören. Um genau 4:09 Uhr habe ich das Gerät eingeschaltet und bin dann den Weg auf dem Foto in Richtung Waldrand gegangen. Das Rauschen des Baches kann man in der Aufnahme auch im Hintergrund hören, vogeltechnisch scheint mir eine gewisse Amsellastigkeit wahrnehmbar zu sein. Vogelgesang Waldparkplatz Bilderlahe   Als es ein bisschen heller wurde, habe ich am Waldrand …

Bauernhof Landwirtschaft Trecker

Arndt: „Raps ist eine politische Pflanze“

Als ich Arndt in Gittelde am niedersächsischen Harzrand besuche, ist das einer der Tage, die in diesem Sommer bislang so selten waren. Milchig ist das Licht, und die Sonne bleibt hinter den Wolken verschwunden. Dabei wird es darunter so schwül, dass die Blinden Fliegen mit Freuden zustechen. Arndt ist Landwirt und gehört damit, so seltsam es sich anhören mag, einer aussterbenden Gattung an. Schaute früher „aus jeder Haustür eine Kuh heraus“, wie Arndt mir erzählt, gibt es heute im Dorf nur noch drei Familien, die ausschließlich von der Landwirtschaft leben. Obwohl sich die Menschen immer mehr dafür interessieren, was sie essen und wie die Umwelt beschaffen ist, wissen immer weniger, was ein Landwirt eigentlich macht. Zeit für ein Interview. M: Arndt, wie steht der Weizen? A: So mittelprächtig, würde ich sagen. Es hat lange nicht geregnet hier oben, das gefällt dem Getreide natürlich nicht. Der Mais macht dafür gute Forschritte, man muss sich wundern. Aber den haben wir auch relativ spät gesät. Mais braucht viel Wärme, und die haben wir in diesem Jahr. M: Was …

1960er Dorf

Hermann: „1968 auf dem Dorf, das war ein richtiger Bruch“

Wer über Neues auf dem Dorf berichtet, für den ist es durchaus erhellend zu erfahren, wie es denn früher war. 1968 ist ja nicht nur eine Jahreszahl wie jede andere, jetzt genau 50 Jahre her, sondern die mit diesem Jahr verbundenen sozialen Umwälzungen in der Gesellschaft sind derzeit Thema in vielen Medien. Aber gab es so etwas tatsächlich auch auf dem Dorf? Und wie muss man sich das Dorfleben der 1960er für junge Leute überhaupt vorstellen? Hermann hat damals in einem solchen kleinen Dorf in Niedersachsen gelebt. Er hat sich lange Haare und einen Bart wachsen lassen – und ist dann sehr jung schon in die Stadt gezogen. Das hat mich interessiert, und deshalb habe ich ihn besucht. M: Wie alt warst du, als du aus dem Dorf weggegangen bist? H: 15. Ich bin mit 15 zur Ausbildung weggegangen. Das war wirklich sehr früh, zu früh möchte ich aus heutiger Sicht sagen. M: Wie ist das passiert? H: Das war damals die Zeit des Kurzschuljahrs, das heißt, ich hatte mit 15 schon die Mittlere Reife …