Natur
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Natur #1 – der Distelfalter

Distelfalter

Die Legende geht so: Ich bin ein März-Kind, und sobald sich draußen die ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs zeigten, hat sich meine Mutter eine Decke geschnappt, sie in den Garten gelegt und mich darauf. Ich habe also ein bisschen in die Sonne geblinzelt und relativ früh damit angefangen, Gänseblümchen zu essen. „Gagabu“ habe ich die angeblich genannt. Auf diese Weise hätte ich mich dank frühkindlicher Prägung, so die Legende, zu einem Kind entwickelt, das zwar nicht so furchtbar gern mit den anderen gespielt hat, dafür aber umso lieber in der Natur unterwegs war.

Blühender Busch

Das mit den Gänseblümchen habe ich zwar irgendwann aufgegeben, die allgemeine Naturbegeisterung aber nicht. Wenn ich eine schwierige Prüfung hatte, bin ich vorher eine Stunde lang spazierengegangen, um Konzentration und geistige Frische aufzutanken. Habe ich nach einer Idee für ein neues Projekt gesucht, ebenso. Und natürlich auch komplett zweckungebunden, also einfach schauen, was so des Weges daherkommt.

Diesmal ist ein Distelfalter des Weges dahergekommen – oder vielmehr, er war zuerst da. Als ich einmal an der Loire war, habe ich dort gelesen, dass das alljährliche Eintreffen dieser Wanderfalter große Beachtung findet. In allen Regionalblättern wurde darüber berichtet, weil es die Ankunft des Sommers anzeigt. Und darauf warten eigentlich alle Menschen. Bei uns ist die Sommerankunft in diesem Jahr extrem früh. Ich kann mich nicht daran erinnern, im April schon einmal einen Distelfalter gesehen zu haben.

Distelfalter Unterseite

Distelfalter sind das ganze Jahr über in heißen Mittelmeergebieten (meist in Nordafrika) bodenständig und wandern in der Regel Ende Mai oder eher Anfang Juni in unsere Breiten. Sie können bis hoch zum Polarkreis kommen, auf die britischen Inseln sowieso. Britische Forscher waren es dann auch, die sich Folgendes gefragt haben: Wandern Distelfalter eigentlich nur nordwärts, um dort eine weitere Generation hervorzubringen und letztlich zu sterben? Oder gibt es auch eine Rückwanderung?

Lange Zeit ist man von Ersterem ausgegangen, weil man zwar die Ankunft der Schmetterlinge in Schwärmen beobachten konnte, nicht aber ihren Rückflug. Erst im Jahr 2009 konnte die englische Forschungseinrichtung Rothamstead in einer groß angelegten Studie mit Hilfe von Radarmessungen beweisen, dass uns die Wanderfalter im Herbst tatsächlich auch wieder in Richtung Süden verlassen. Dafür steigen sie nachts bei günstiger Thermik bis in etwa 500 Meter Höhe hinauf, teilweise auch bis auf 3.000 Meter. Wenn sie dann einen günstigen Luftstrom gefunden haben, sausen sie mit bis zu 45 Stundenkilometern wieder in Richtung Mittelmeer. Die Tatsache, dass dieser Aufstieg nachts erfolgt, ist auch der hauptsächliche Grund dafür, weshalb man bislang wenig darüber wusste.

Distelfalter gibt es auf allen Kontinten – außer in der Antarktis. Damit ist es die am weitesten verbreitete Schmetterlingsart überhaupt. Solltet ihr demnächst im Garten oder bei einem Spaziergang einen Distelfalter sehen, begrüßt ihn doch versuchsweise mal in einer anderen Sprache. Vielleicht versteht er’s ja…

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